Defamation - von Yoav Shamir

Defamation von Yoav Shamir. Quelle: BerlinaleEinerseits sei er persönlich noch nie mit Antisemitismus konfrontiert gewesen, andererseits gehöre die Rede davon zum israelischen Alltag wie ein stetes Hintergrundgeräusch, an das man sich gewöhnt, sagt Regisseur Yoav Shamir.

In seinem neuen Werk "Defamation" geht er der Frage nach, was Antisemitismus heute bedeutet - zwei Generationen nach dem Holocaust. Dabei findet er einige alarmierende Antworten auf diese Frage: Antisemitismus ist identitätsstiftendes Moment und zwar nicht für Antisemitien, sondern für Juden.

Shamir begleitet unter israelische Jugendliche auf Polenreise, die davon überzeugt sind, dass man sie überall auf der Welt hasst sowie Abe Foxman, einen Holocaust-Überlebenden und Vorsitzenden der amerikanischen Anti Defamation League (ADL), dessen Leben ganz im Zeichen des Mahnens vor den immer noch virulenten Gefahren des Antisemitismus steht.

Der Filmemacher sieht sich aber nicht als Provokant. Er will keine Feindbilder malen, sondern neue über dieses hochemotionale nachzudenken. Macht es heute Sinn, Antisemitismus zum Lebensmittelpunkt zumachen? Spielen dabei nicht vor allem machtpolitische Manöver und identitätsstiftender Religionsersatz tragende Rollen?

Der Film entlässt seine Zuschauer nachdenklich und nur wenige werden eine so klare Antwort haben wie ein im Film befragter ukrainischer Rabbi: "Ich brauche keine Antisemiten, ich habe Gott".


Defamation
Israel, Österreich, USA, Dänemark, 2009, 93 min
Regie: Yoav Shamir